Einfach mal nichts tun

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Aus dem Mund eines Fitnesstrainers mag das irgendwie komisch klingen, aber weil es Teil meiner Philosophie ist, will ich auch das mal sagen. Denn genauso wie im Sport auch die Regeneration gut für unseren Körper ist, ist bei all dem Stress das Nichtstun gut für unsere Psyche.

In der heutigen Leistungsgesellschaft muss unbedingt immer etwas gemacht und unternommen werden. Sei es, dass man vor dem Fernseher sitzt um zu entspannen oder sich in den verschiedensten sozialen Netzwerken mit Freunden und Bekannten austauscht. Aber dass das mit Entspannung eigentlich nicht viel zu tun hat, wissen die meisten nicht bzw. ignorieren es. Man muss ja mitreden können über die angesagten Soaps im TV oder muss die neuesten Videos und Fotos aus dem Freundeskreis gesehen haben. Diese Reizüberflutung strengt nicht nur das Gehirn bis spät Abends an, sondern hat auch kaum einen Mehrwert für unseren Geist.

 

Warum also nichts tun?

Wir sind es gewohnt immer etwas zu tun: „ich check nur noch kurz meine Mails“ oder „ich muss erst noch aufräumen und die Wäsche machen“. Es gibt also immer was zu tun, weil wir in einer leistungsoptimierten Gesellschaft leben, in der es nicht mehr geht, fünfe mal gerade sein zu lassen. Anders ausgedrückt, in unserer Gesellschaft mit ihrer chronischen Geschäftigkeit ist noch nicht mal mehr Zeit für das Nichtstun vorgesehen. „Stillstand heißt Rückschritt“, so heißt es in der Wirtschaft und „Business as usual“ gilt im übertragenen Sinn auch für die Freizeit.

Die Zeichen der Zeit heißen dann Burn-Out und Meditations-CDs. Dieser Gegensatz zeigt schon auf, wie sich die meisten Menschen abarbeiten und sich gerade deshalb ein riesiger Markt zur Entspannung bzw. Wellness geöffnet hat. Die Notwendigkeit ist also da, endlich dagegen zu steuern, vor allem der Gesundheit wegen. Kurzfristig zerstört starke Geschäftigkeit die Kreativität, die Selbsterkenntnis, das emotionale Wohlbefinden und kann das Herz-Kreislauf-System schädigen – langfristig noch viel mehr.

Unser Gehirn wird vor allem dann in dem sogenannten default mode network Areal sehr aktiv, wenn wir nichts tun und einfach die Gedanken schweifen lassen. Dort entstehen nicht nur Kreative Ideen, sondern wir können endlich mal Vergangenes besser verarbeiten und uns auf Kommendes vorbereiten. Wenn wir also faul auf der Wiese liegen oder im Büro aus dem Fenster starren, dann wird genau das Hirnareal aktiv, dass uns kreativ macht. Aber dafür brachen wir eben mal Ruhe und müssen uns den Tagträumen hingeben. Denn nur wenn das Gehirn frei denken kann, ist es in der Lage neue Ideen zu entwickeln oder Vergangenes besser zu verarbeiten und neue Wege für die Zukunft aufzuzeigen.

Wer sich also immer in neue Aktivitäten stürzt, ohne mal das vergangene Handeln zu reflektieren und sich Gedanken über das zu machen was man eigentlich wirklich will, wird am Ende ein unzufriedenes Leben führen, aus dem viele erst durch einen Burn-Out gerissen werden.

 

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Die Reizüberflutung und das ständige Tun lassen uns keine Zeit und keinen Raum mehr, zu sehen was um uns passiert - all das Schöne auf diesem Planet und all das Hässliche was unser Dasein aus diesem einst so schönen Planeten gemacht hat. Und so wie wir die Erde verunstaltet haben, so haben wir auch uns selbst kaputt gewirtschaftet. Wir wollen unser Leben gestalten, aber das Leben gestaltet uns. Wir lassen uns von der ewigen Geschäftigkeit treiben, sodass wir nicht ein mal mehr Zeit haben, das Jetzt zu genießen und uns Gedanken über uns selbst zu machen, darüber wer wir sind, was wir wollen und wohin wir wollen. Also mach doch einfach mal öfter nichts!

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